Leipziger Allerlei pt.2

Sowohl auf Neil Gaimans Blog, als auch auf der Molochronik gibt es mehr oder weniger ausführliche Berichte über die Lesung aus Anansi Boys in Leipzig.

Der Freitag begann früh, da ich rechtzeitig zur Lesung in der Halle sein wollte. Die Leseinsel wurde von den netten Leuten von Manticor Illustrations koordiniert, die sich wirklich sehr um einen guten und reibungslosen Ablauf bemühten. Ich fand es anstrengend, mitten in der Halle zu lesen; überall Bewegung, eine ständige Geräuschkulisse, eben viel Ablenkung. Ich habe mich dann sehr auf den Text konzentriert. Erst kurz vor Ende schaute ich wieder hoch und stellte fest, dass sich eine ganze Reihe vielleicht sechsjähriger Kinder auf den Sitzkissen eingefunden hatte, die wohl auf die nächste Lesung warteten. Ich steckte gerade mitten in der einzigen Actionszene, die ich ausgesucht hatte, komplett mit Blut, Tod und Schlacht. Ich habe dann improvisiert und die letzte Seite extrem gekürzt. Trotzdem schienen die Zuhörer geradezu fasziniert zu sein.

Den Rest des Tages habe ich wieder am Heyne-Manga-Stand oder auf Besichtigungstour verbracht. Ich habe eine ganze Reihe Kollegen, Leser und Bekannte getroffen, Schwätzchen gehalten, mir die Neuerscheinungen angesehen und mich generell prächtig amüsiert.

Meine Agentur Schmidt & Abrahams war natürlich auch auf der Messe; allerdings hatten die Beiden mehr weitaus Termine als ich und konnten die Messe somit weniger genießen.

Am Abend wollte ich mich an eine Gruppe dranhängen, um in die Stadt zu kommen; leider waren deren Fahrzeuge voll besetzt. Also wollte ich mir ein Taxi suchen, bin aber ohne groß nachzudenken auf der falschen Seite des Messegeländes hinausgegangen, nämlich zu den Parkplätzen. Deswegen musste ich durch den Regen zur anderen Seite laufen, wo ich dann ein Taxi samt sehr gesprächigem Fahrer ergatterte. Er unterhielt mich mit Erklärungen über die Geographie von Leipzig, das Fahrverhalten anderer Taxifahrer und Spekulationen über das Wetter. Und das sehr lange, weil alle Zufahrtsstraßen, inklusive des Schleichwegs, den er gewählt hatte, proppevoll und verstopft waren.

Den Rest des Abends habe ich mit Freunden beim Essen verbracht. Nachdem ich am Donnerstag Kartoffelsuppe hatte, sind wir am Freitag in einem All-You-Can-Eat-Suppenrestaurant gelandet, wo ich wieder Kartoffelsuppe bekam. Vielleicht mache ich daraus eine Tradition und esse ab jetzt in Leipzig nur Kartoffelsuppe.

Das Schneegestöber hatte anderen übrigens weitaus schlimmer als uns mitgespielt: einige haben die ganze Nacht auf der Autobahn verbracht, weil sie insgesamt zwölf Stunden im Stau standen.

Der Abend war sehr vergnüglich, aber ich war früh müde und bin noch vor Zwölf wieder in Richtung Hotel geschlichen.

Weil ich zwei Lesungstermine hatte, und Heide Göttner bislang keinen, habe ich ihr meinen Platz am Samstagmorgen abgetreten. Der Besucherandrang am Samstag war sehr viel größer als an den vorangegangenen Tagen, und so hatte sie ein großes Publikum, obwohl es keine Zeit mehr gab, die Änderung anzukündigen. Anschließend haben noch Thomas Finn und Boris Koch gelesen. Um diese Zeit herum habe ich auch einige Mitglieder des Montségur Autorenforums getroffen, die ebenfalls die Bücherluft in Leipzig schnuppern wollten.

Ganz kurz habe ich Arndt Drechsler getroffen, von dem ich vor kurzem den Entwurf zum Cover des Spielbuchs erhalten habe. Ansonsten habe ich eine ganze Reihe alter und neuer Bekannter getroffen. Viele Leute aus der Fantasyszene waren da, von Fans bis hin zu den Größen.

Erst danach habe ich mich in das Getümmel der Cosplayer, Goths und sonstigen Bücher-Afficionados geworfen, um mich noch einmal durch die Halle 2 zu schlagen. Obwohl ich ja selbst LARP spiele, hat mir doch so manch ein Anblick ein Lächeln entlockt. So viele Clouds sieht man selten auf einem Fleck.

Es heißt ja immer, dass Lesen eine aussterbende Kunst sei, und dass junge Menschen nicht mehr lesen. Mein subjektiver Eindruck dieser Messe ist allerdings ein anderer. Es gab sehr viele junge Menschen, die ganz offensichtlich von Büchern begeistert waren.

Dennoch haben wir uns am frühen Nachmittag verabschiedet, um wieder zurück nach Heidelberg zu fahren. Die Heimfahrt war erfreulich ereignislos.

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Kommentare

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  1. molosovsky schreibt:

    Danke für den Link zur Molochronik und dass Du dort nun schaust, was ich da bei der donnerstaglichen Gaimanlesung in Leipzig gekritzelt habe. Leider bin ich ja Freitags schon wieder früh nach Ffm gedüst, sonst wäre ich u.a. auf Deine Lesung gegangen. Neugierig auf Deine Romane bin ich ja allemal.

  2. Chris schreibt:

    Da mir die Lesungen auf der Fantasy-Leseinsel sehr gut gefallen haben, werde ich nächstes Jahr schauen, ob es sie noch gibt und ob ich ein Plätzchen ergattern kann. Aufgeschoben ist also nicht aufgehoben.


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