15 Jahre

CN: Depression

Ich habe eine Depression. Seit einigen Jahren beschäftigt mich das mal mehr, mal weniger. Derzeit mehr. Der Winter war lang und hart und hat Spuren hinterlassen. Aber begonnen hat es lange vorher.

"Die Trolle" ist vor fast genau 15 Jahren erschienen. Danach ging es Schlag auf Schlag, Buch folgte auf Buch. Ich habe hart gearbeitet, mir enge Deadlines gesetzt, und simpel gesagt, Raubbau an mir selbst betrieben. Energie eingesetzt, zu wenig regeneriert. Eine Zeitlang ging das, da gab es Reserven, da kam ich damit nicht nur weiter, sondern erreichte mehr. Hoher Druck, den ich mir oft selbst machte, der mich antrieb. Aber die Höhen wurden flacher, kürzer, und die Täler tiefer und dunkler. Es hat lange gebraucht, bis ich verstand, wie viel sich verändert hatte. Und ohne einen Anstoss von außen hätte es wohl noch länger gedauert. Zum Glück habe ich dann recht schnell Hilfe nicht nur gesucht, sondern auch gefunden.

Die Therapie hat mir sehr geholfen und auch gut getan, und mir neues Rüstzeug gegeben. Neue Verhaltensmuster, gesünderes Arbeiten, und vor allem ein Bewusstsein für die eigenen Grenzen. Nichtsdestotrotz hat mir die Krankheit immer wieder Pläne durchkreuzt, an bessere Phasen schlossen sich schlechtere an. Ich habe mich in der Zeit oft zurückgezogen, meine geistige Gesundheit priorisiert, habe Events abgesagt, Buchmessen nicht besucht und Social Media ignoriert. Aber ohne meine Frau wäre es vollkommen unmöglich gewesen, diese Zeit zu überstehen, und das in jeder Hinsicht. Meine Freund*innen waren ebenfalls phantastisch, und ich kann sagen, dass ich fast überall nur auf wirklich großartige Reaktionen gestoßen bin.

Aber es gibt leider keine einfache Heilung für immer. Rückfälle sind nicht ungewöhnlich, sondern zu erwarten. Und eine Pandemie ist ein fruchtbarer Nährboden dafür. Diesmal habe ich es schneller erkannt. Aber ohne Hilfe von außen wäre es wieder nicht möglich gewesen.

Beruflich hatte ich das Glück, dass meine Verlage und mein Agent mir durchgehend Verständnis entgegengebracht haben, auch wenn die Zusammenarbeit natürlich nicht selten schwierig war. Es ist keine Übertreibung, dass oft Chaos herrschte, was die Rücksichtnahme umso besonderer macht.

Im privaten Bereich habe ich versucht, damit offen umzugehen, auch weil emotionaler Rückzug und keine Kommunikation für mich Teil der Symptome sind. Bewusst anders agieren, nicht den negativen Impulsen nachzugeben, war eine der Strategien, um damit umzugehen. Leicht fiel mir das natürlich nicht. Damals nicht, und heute auch nicht. Noch immer ist da ein Stigma und viel Unverständnis, ob nun einfaches Unwissen oder absichtliches Missverstehen. Ich habe mich entschieden, diesen Text zu schreiben, weil mir das Thema auf der Seele liegt. Und weil es immer mal wieder Fragen nach neuen Büchern gibt, und ich derzeit keine befriedigenden Antworten geben kann. Außer vielleicht die: Ich weiß es nicht genau, weil ich krank bin.

Und das ist es. Diese Krankheit gehört zu mir. Sie ist Teil meines Lebens. Ich lerne, damit umzugehen, und dabei lerne ich auch viel über mich.

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