SERAPH 2012 - ein persönlicher Rückblick

Die Idee für einen neuen, anders gelagerten Phantastik-Preis lag schon seit einiger Zeit in der Luft. In den letzten Jahren habe ich selbst schon mit einigen Kollegen darüber gesprochen, aber dabei ist nie etwas konkretes entstanden. Es mangelte - wie so oft - an Zeit und der nötigen Energie. Als Oliver Graute dann im Vorfeld der Leipziger Buchmesse ein Treffen organisierte, zu dem er die Macher von WerkZeugs und Schmidt & Abrahams einlud, war mir sofort klar, dass das genau die richtigen Leute für so ein Projekt sind. Wir wussten, dass eine Menge Arbeit auf uns zu kommen würde. Wie viel es aber tatsächlich werden würde, hatten wir doch unterschätzt.

Die Frage "Warum ein neuer Phantastik-Preis" lässt sich schnell beantworten. Die bestehenden Preise haben eine klare Ausrichtung und einen ebenso festen Modus Operandi. Unser Fokus lag jedoch woanders, denn hauptsächlich wollten wir einen dotierten Debut-Preis, der dazu angetan ist, auch außerhalb der Szene Aufmerksamkeit zu erregen und auf das - breit gefächerte - Genre zu lenken. Wir haben versucht, den SERAPH so weit wie möglich von bestehenden Preisen abzugrenzen, sowohl inhaltlich als auch zeitlich, da wir selbstverständlich nicht in deren Territorien wildern wollten. Damit war schnell klar, dass wir den SERAPH im Rahmen der Leipziger Buchmesse verleihen würden, und damit wiederum gab es einen engen Zeitrahmen.

Selbstverständlich gab es vorher noch einige Fragen zu klären. Eines der Probleme ist, dass wir alle im Phantastik-Bereich aktiv sind. Dadurch können leicht Interessenkonflikte entstehen. Es gab Überlegungen, Autoren mit Bezug zu uns Organisatoren auszuschließen, aber das wäre gegenüber den Autoren kaum fair gewesen, ganz abgesehen davon, dass es sich um einige Dutzend Autoren gehandelt hätte. Wir beschlossen also, dass ein klares Jury-System die Abgrenzung zwischen den Organisatoren und dem Preis ausmachen würde. Die einzigen Autoren, die nicht berücksichtigt werden können, sind die Organisatoren selbst - auch wenn mein Verlag netterweise meinen frisch erschienen Roman eingesandt hat (übrigens bevor ich selbst Belegexemplare erhalten habe ...). Dass man damit nicht den Generalverdacht der Mauschelei aus der Welt schaffen kann, war uns bewusst, schließlich wird der quasi bei jedem Preis im Fandom erhoben, aber wenn man selbst in der Szene und der Branche aktiv ist, lässt sich das kaum verhindern. Die Option, dass irgendjemand komplett ohne Beziehungen und von außen kommend einen Phantastik-Preis macht, ist wohl leider unrealistisch.

Die Zusammenstellung der Jury hat uns überrascht. Wir hatten gleich zu Beginn eine Liste mit Personengruppen angelegt, die wir gerne in der Jury vertreten sehen wollten, zum Beispiel Lektoren, Buchhändler, Leser, Journalisten & Kritiker. Wir befürchteten, dass wir im ersten Jahr sehr viele Klinken putzen müssen. Die ersten Anfragen gingen deshalb an diejenigen, von denen wir die meisten Absagen erwarteten, darunter viele Lektoren und Journalisten. Stattdessen hatten wir eine sensationell hohe Zusagenquote. Plötzlich war die Jury schon komplett besetzt, und wir hatten hauptsächlich Fachleute aus der Branche dabei. Einerseits war das natürlich eine sehr schöne Bestätigung, andererseits war die Jury damit auch in eine ganz bestimmte Richtung gewichtet. Wir haben kurzfristig überlegt, die Jury zu vergrößern, allerdings hätte das einen gewaltigen Mehraufwand an Zeit und auch Geld benötigt, also haben wir uns dagegen entschieden. Zudem war die Zusammensetzung dieser Jury auch ein Garant dafür, dass niemand wirklich glauben kann, dass einzelne Verlagslektoren ihre Autoren durchdrücken konnten. Den Mitgliedern der Jury sei auch von mir persönlich noch einmal der Dank ausgesprochen.

Schon gleich zu Beginn galt, dass wir alles Geld, das wir über Fördermitglieder und Sponsoren einnehmen, direkt in den Preis fließen lassen wollen. Die Organisatoren sehen natürlich keinen Cent für ihre Arbeit, und alle Ausgaben, die wir hatten, wurden von uns selbst getragen. Die Einnahmen flossen direkt in das Preisgeld, die Herstellung des SERAPH und die Organisation der Preisverleihung. Die vielen hundert Arbeitsstunden pro Person, die Fahrtkosten, und die Übernahme aller Posten, die unser Budget nicht abdecken konnte, sind sozusagen unser Einsatz. Wobei ich ehrlich gestehen muss, dass andere sich mehr involviert und mehr geleistet haben als ich. Dafür auch hier noch einmal Danke!

Einige Probleme wurden uns erst mit der Zeit klar. Die ganzen Einsendungen mussten quer durch Deutschland geschickt werden, dazu blieben aber auch jede Menge Bücher liegen. Wir haben begonnen, diese auf unserer Facebook-Seite zu verlosen, aber da müssen wir uns noch bessere Möglichkeiten überlegen. Vor allem wären mehr digitale Einsendungen praktisch. Die Homogenität der Jury habe ich ja schon angesprochen. Dazu kamen Spaß mit dem deutschen Vereinsrecht, die aufwendige und anstrengende Suche nach Sponsoren, und tausend kleine Dinge mehr. Mit den Stadtwerken Leipzig haben wir ja zum Glück einen Sponsor gefunden, der uns nicht nur finanziell unterstützt hat. Auch dafür noch einmal Danke!

Der Versuch, über einen dotierten Preis auch außerhalb der Szene Aufmerksamkeit zu erlangen, hat im ersten Jahr erstaunlich gut funktioniert. Einige Artikel in der Presse waren die Folge, und wir hoffen sehr, dass wir daran anknüpfen können. Ein wenig ist dabei untergegangen, dass nur der Debut-Preis dotiert ist; vermutlich lag es daran, dass die Presse vor allem die Pressemitteilungen von Klett-Cotta gesehen hat. Wir werden uns bemühen, das Augenmerk mehr auf diesen Teil zu lenken (die Szene war da übrigens aufmerksamer).

Innerhalb der Szene haben sich leider nur wenige der kleineren Verlage an dem Preis beteiligt. Ich weiß nicht, ob sie sich keine Chancen ausgerechnet oder die Einsendung mehrerer Bücher gescheut haben. Beides sollte kein Hindernis sein: die Preisträgerin für das beste Debut ist bei einem kleineren Verlag veröffentlicht, und wir nehmen - sogar sehr gerne - Ebooks als Einsendungen an. Für mich persönlich war es schade, dass durch diese Zurückhaltung gerade die deutschsprachige SF, die es bei großen Verlagen derzeit schwer hat und deren Fahne vor allem von Kleinverlagen hochgehalten wird, nicht berücksichtigt werden konnte. Deshalb ein kleiner Aufruf: sendet doch bitte eure Bücher ein, denn sonst bleibt die SF unterrepräsentiert. Wir können nur begrenzt selbst Werke in das Auswahlverfahren übernehmen, da wir allein mit der Bewältigung der Einsendungen beschäftigt sind.

Und zuguterletzt noch eine Bitte in eigener Sache: man kann die Phantastische Akademie in ihrer Arbeit unterstützen. Unser Ziel ist es, Phantastik zu fördern, und dabei vor allem Autoren am Beginn ihrer Karriere. Nachwuchsförderung ist wichtig und in anderen Bereichen vollkommen alltäglich. Mit jeder Fördermitgliedschaft wachsen unsere Möglichkeiten, mit dem SERAPH das Genre und seine Autoren zu unterstützen.

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Kommentare

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  1. Arduinna schreibt:

    Vielen Dank für den informativen Artikel - ich werde ihn gleich mal weiterreichen - die Einsendung per E-Book ist in der Tat auch für Kleinstverlage eine gute Alternative, um am Preis teilzunehmen. Und dass nur der Debut-Preis dotiert ist, wusste ich auch nicht. Prima, dass noch mal alles so zu lesen.
    Vielen Dank für eure Arbeit!
    jcv


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