Das dicke Ende

Meine Litanei über den Stress langweilt vermutlich schon. Deshalb schreibe ich lieber über positivere und konstruktivere Dinge. Da ich zurzeit gemeinsam mit meinen Lektoren am Ende des Romans feile, erscheint mir das als ein gutes Thema.

Da „Die Schlacht der Trolle“ in sich geschlossen ist, sollten am Ende des Textes die wichtigsten Konflikte abgeschlossen und aufgelöst werden. Die sich aufbauende Spannung entlädt sich; die Charaktere erreichen das Ende ihrer Reise, sowohl physisch, als auch psychisch. Die verzwirbelten Plotstränge werden entwirrt und mit einander verknüpft.

Das Ende sollte, ob nun „Happy End“ oder nicht, für den Leser befriedigend sein. Die Lösung der Konflikte sollte sich aus den Figuren ergeben. Ein Deus Ex Machina-Ende ist für mich als Leser immer extrem unbefriedigend, deshalb versuche ich, das als Schriftsteller zu vermeiden. Auch die inneren Konflikte der Protagonisten sollten ein Ende finden.

Die Spannung muss bis zum Ende steigen. Dabei versuche ich aber, auf die einfachsten Tricks, wie zum Beispiel Foreshadowing, zu verzichten. Ich finde, die Spannung sollte sich aus den bislang ungelösten Konflikten und deren Zuspitzung selbst ergeben. Wobei ein vernünftig gesetzter Cliffhanger an der einen oder anderen Stelle ganz sicher nicht schadet…

Auf meiner Webpage erkläre ich ja relativ ausführlich, wie ich arbeite. Deshalb nur kurz: mein Plot steht vor dem eigentlichen Schreiben. Damit ist auch das Ende in weiten Teilen festgelegt. Natürlich können sich noch während des Schreibens bessere Ideen durchsetzen, oder Veränderungen ergeben, wenn zum Beispiel Charaktere nicht vorhergesehene Entwicklungen durchmachen. Aber zu Beginn steht nur der grobe Ablauf. Ein gutes Ende benötigt einiges an Feinschliff. Aufgeworfene Fragen wollen beantwortet werden; scheinbar unvereinbare Handlungsstränge werden verknüpft; alles läuft auf ein Crescendo zu, das wohl orchestriert sein will. Das ist tatsächlich viel Arbeit, und es benötigt viel Aufmerksamkeit.

Dann gibt es die immer im Raum stehenden Fragen: Wer überlebt? Wird gestorben? Wie wurden die Figuren im Laufe der Handlung verändert? Und was bedeutet dies für das Ende? Manchmal ist man da als Autor radikaler, als gut sein mag; jedenfalls protestiert bei jedem Charakter mindestens ein Testleser wegen der Fährnisse, die dem Charakter widerfahren.

Ich mag große Enden, gerade in der Fantasy. Episch sollen sie sein; die Charaktere sollen durch ein Flammenmeer treten, um auf der anderen Seite neu zu erscheinen. Dabei sollen aber sowohl die Handlung, als auch die Entwicklung der Figuren in sich logisch bleiben. Ein Ende, das nur um seiner selbst willen bombastisch ist, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Immerhin soll die Auflösung zum Rest des Textes passen.

Dies alles nach meinem Geschmack, und hoffentlich dem meiner Leser, zu erreichen, ist gerade meine Aufgabe. Vielleicht wird aus diesem Eintrag deutlich, warum meine Aufmerksamkeit außerhalb des Schreibens zurzeit eher erratisch ist.

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Kommentare

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  1. Lily schreibt:

    Da kann man dir wohl nur gute Nerven wünschen, damit alles so wird, wie du es dir vorstellst.
    Bei amazon kann man die "Schlacht der Trolle" übrigens schon bestellen...:-)

  2. Chris schreibt:

    Vielen Dank.

    Oh, tatsächlich. Erfährt man als Autor mal wieder als letzter... ;-)

  3. pascal schreibt:

    bin ja mal gespannt, wies dann schlussendlich raus kommt. und wenn ich den schluss gelesen habe, werd ich mir nochmals diesen text hier anschauen und abwägen wies geworden ist. ;p

  4. kiesow schreibt:

    ich persönlich empfinde es immer als sehr frustrierend und spannungstötend, wenn die hauptcharaktere eine überlebensgarantie haben.
    das beste positiv-bespiel ist "das lied von eis und feuer" von george r. r. martin. dort sterben auch sympathieträger (teilweise reihenweise) und man kann nie sicher sein, wer am ende noch aktiv sein wird.
    manchmal ist das zwar sehr ärgerlich, aber es gibt einem roman doch einen gewissen reiz und einen ganz ungewohnten thrill.

  5. Chris schreibt:

    Martin hat natürlich dank seiner extrem breiten Besetzung ein gutes Feld, auf dem er säen und auch ernten kann.

    Aber es widerstrebt mir, mich dazu in Relation zu setzen; für mich ist Martin ein genialer Schreiber, trotz der Schwächen, die mich am letzten Band etwas gestört haben. Einen Vergleich empfinde ich daher als unangemessen.

    G.R.R. Martin ist ein großartiger Autor moderner Fantasy.

  6. kiesow schreibt:

    es ging mir nicht darum, dich in relation mit martin zu setzen oder euch zu vergleichen. er ist mir nur am besten geeignete autor um zu unterlegen, was ich meine.
    also nicht seine art zu schreiben, sondern einfach die härte gegenüber seinen charakteren.

  7. Chris schreibt:

    Sehe ich genauso. Das ist auch die Sache, die immer wieder im Zusammenhang mit Martin erwähnt wird; häufig lobend. Anscheinend ist es ein gewisses Alleinstellungsmerkmal.

    Ich finde es noch immer klasse, allerdings stellt sich bei mir ein Gewöhnungseffekt ein. Die ersten Tode waren deutlich härter... ;-)


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