Gärtnerarbeit am Baum der Fantasy
Nachdem ich die Artikel ein wenig habe sacken lassen, möchte ich nun einige Gedanken ausformulieren. Kai Meyers Worte erschienen mir zunächst recht eingängig, aber dann fiel mir auf, dass er etwas vergessen hat. Lustigerweise sich selbst.
Aber auch Markolf Hoffmann, Christoph Marzi, Tobias O. Meißner, Heide Solveig Göttner, Tom Finn, James A. Sullivan, Richard Schwartz/Carl A. DeWitt, Michael Peinkofer, Boris Koch, Daniela Knor, André Wiesler, Stephan R. Bellem, Monika Felten, Brigitte Melzer, Nina Blazon, Uschi Zietsch, Susanne Gerdom, Karl-Heinz Wiitzko, Alfred Bekker, Ju Honisch, Philipp Bobrowski, Falko Löffler, Sabine Wassermann und Oliver Plaschka. Und das sind nur Namen, die mir spontan einfallen, und die zum größten Teil bei größeren Verlagen veröffentlichen. Wenn man kurz recherchiert, wird man noch viel mehr Autoren und Autorinnen finden. Das Spektrum der Bücher reicht von Mainstream bis hin zu unkonventionellen Geschichten. Und dabei sind Wolfgang Hohlbein, Kai Meyer, Cornelia Funke, Markus Heitz, Bernhard Hennen, Ralf Isau und andere Größen gar nicht erwähnt; ebenso wenig die Autoren, die sich in der Kurzgeschichten-Szene tummeln und diese aufmischen. Oder der Bereich Jugendbuch, ganz modern auch Young Adult genannt, mit dem ich nur wenig Berührungspunkte habe.
Es ist noch nicht so lange her, da haben deutsche Verlage neuen deutschen Fantasyautoren dazu geraten, sich englische Pseudonyme zu zulegen, weil kaum jemand Fantasy aus Deutschland gekauft hat. Das vergessen die Fans vielleicht ganz gerne, weil es heutzutage anders ist. In den wenigen Jahren hat sich einiges verändert; vielleicht sind sogar längerfristige Veränderungen darunter. Aber dass sich nicht in fünf, sechs Jahren eine großartige Tradition herausbilden kann, sollte klar sein.
Bis in dieses Jahrtausend wurde Fantasy in Deutschland von wenigen Akteuren bestimmt, dazu gab es vielleicht noch die erfolgreichen Rollenspielserien. Es wurden Versuche gestartet, auch deutsche Fantasy zu etablieren. Leider wurden diese nur selten angenommen. Geändert hat sich das im großen Stil erst vor fünf, sechs Jahren. Die oben genannten Autoren bieten aktuell eine Fülle, die es noch nicht lange gibt.
Außerdem ist es reichlich unwahrscheinlich, dass die nächste Generation Fantasyleser und –schreiber sich nur an deutschen Büchern orientiert. Sie wächst gerade in einer Zeit heran, in der es mehr Fantasy gibt, als jemals zu vor. Von den Klassikern bis hin zu aktuellen Büchern. Fantasy aus ganz verschiedenen Ländern, aus unterschiedlichen Erzähltraditionen. Der Jugendbuchbereich allein ist voller Fantasy und Phantastik. Das aktuelle Angebot an Übersetzungen ist gewaltig, und die Fantasy wächst weiter stark.
Aber natürlich hat Kai Meyer recht, wenn er sagt, dass die deutsche Fantasy eigene Traditionen herausbilden soll und muss. Aber das, was ich jetzt mal als „neuere deutsche Fantasy“ bezeichne, ist eben genau dieses: sehr neu. Man sollte nicht vergessen, dass „Die Zwerge“ erst fünf Jahre alt ist.
Mein Fazit ist, dass ich Kai Meyers Gedanken gut nachvollziehen kann, aber relativ sicher bin, dass die geforderten Abfahrten der Autobahn entstehen werden.
Postskriptum: Man verzeihe mir, dass ich die Autoren nicht alle verklinkt habe. Das ist sehr mühsame Arbeit. Ich kann nur empfehlen, einfach mal im Netz nach ihnen zu stöbern. Hinweise auf weitere Autoren sehr gerne in den Kommentaren. Je größer die Sammlung, desto besser.

