Eine nicht besonders weihnachtliche Geschichte

Wie man aus Stroh Gold spinnt, kann ich nicht sagen, obwohl es angeblich Experten dafür geben soll, aber in letzter Zeit gab es wieder einmal eine interessante Masche, um aus Träumen Geld zu machen.

Dass sich rund um hoffnungsvolle Autoren eine ganze Industrie gebildet hat, die an diesen Autoren verdient, ist ja bereits sattsam bekannt. Da wir im Informationszeitalter leben, lassen sich heutzutage allerorten Warnungen, Hinweise und Ratschläge finden, wie man die Fußangeln auf dem harten Weg der Autorin entdeckt und unschädlich macht. Doch das führt anscheinend eher zu einer Art Wettrüsten.

Vor nicht allzu langer Zeit bekamen Autoren optimistisch stimmende Briefe. Eine Agentur, nicht einfach nur renommiert, sondern gleich weltweit agierend, hatte sie im Internet entdeckt, und könne sich eine Zusammenarbeit vorstellen. Die Webpage dieser Agentur, bei der es sich angeblich um eine Filiale einer nordeuropäischen Agentur handelte, wirkte halbwegs seriös, wies warnend auf DKZ-Verlage hin und betonte, nur die branchenüblichen 15% Provision zu verlangen und an zahlende Verlage zu vermitteln. Ein genauerer Blick hätte vielleicht stutzig gemacht – mich hat er es -, denn es wurden Versprechungen von internationalen Vertretungen und Filmrechten gemacht, die man sonst eher nicht auf den Seiten von Agenturen findet. Klappern gehört zum Handwerk, sicherlich, aber so laut? Zudem wirkte die Kundenliste seltsam. Aber was sind solche Bedenken im Angesicht des Interesses einer Agentur? Was all die Unkenrufe wert, wenn man doch endlich entdeckt wurde?

Das weitere Vorgehen war stets gleich: es wurde ein Vertrag unterschrieben, der im Großen und Ganzen fair war. Es wurde nach angemessener Wartezeit ein Verlag gefunden – Für jede Autorin immer wieder derselbe Verlag natürlich. Dieser wollte das Manuskript verlegen, allerdings nicht ohne ein vorheriges Lektorat, das die Autorin selbst erbringen sollte. Die freundliche Agentur verwies dann auf einen Lektoratsservice im Ausland, dessen Dienste einen fünfstelligen Betrag (übrigens lagen die Preise wohl unabhängig von der Seitenzahl; ich habe ein Angebot gesehen, das für 150 Seiten diesen Betrag anschlug, ebenso wie eines, das für 350 Seiten den gleichen Betrag veranschlagte) kosten sollten. Ein Schnäppchen, nicht wahr?

Das Ganze war einerseits sicherlich umfassend aufgebaut, andererseits aber mit einem Minimum an Recherche zu durchschauen: der Agent war vorher Geschäftsführer eines inzwischen insolventen DKZ-Verlags. Zudem war er als Besitzer des Lektoratsservices eingetragen. Der Verlag war in den Händen von Personen, die auch schon zu Zeiten des DKZ-Verlags mit dem Agenten zusammengearbeitet hatten. Die angebliche Mutterfirma der Agentur konnte im Netz nicht gefunden werden. Stattdessen gab es überall Pressemitteilungen, lieblos als Artikel getarnt, die in offene Portale eingestellt wurden. Ein wenig Tünche, mehr nicht.

Das Ganze schlug einige Wellen. Interessierte Leute berichteten darüber, es gab Diskussionen auf Foren, der Agent wehrte sich mit Abmahndrohungen, ließ Webpages zensieren, mischte sich in Diskussionen ein. Aber es half wohl alles nichts, denn inzwischen ist die Webpage der Agentur nicht mehr zu erreichen, und größere Medien interessieren sich für den Fall.

Was mich beschäftigt: hat jemand wirklich bezahlt? Mehr als 10.000 € für ein Lektorat? Glaubt jemand, seine Träume kaufen zu können? Macht Hoffnung, ebenso wie Liebe, blind?

Trackbacks

    Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

  1. Sascha Erni schreibt:

    Hallo,

    in meinem Bekanntenkreis wäre ein Autor beinahe auf einen Zuschußverlag hereingefallen. Naja, eigentlich sogar zwei Autoren … Beide waren felsenfest der Meinung, daß man als Autor für Lektorat und Risikobeteiligung zwischen € 3.000 und € 10.000 zahlen müsse, das sei in der Verlagswelt üblich.

    Entsprechend wichtig finde ich solche Blog-Beiträge und Artikel in den neuen Medien. Es wäre auch hilfreich, wenn die traditionellen Medien zwischendurch einmal von solchem Machenschaften berichten würden. Aufklärung tut Not, nicht nur unter Jungautoren …

    Liebe Grüße,
    -Sascha

  2. Christoph schreibt:

    Hallo Sascha,

    inzwischen habe ich von mehreren Fällen gehört, bei denen das Geld bezahlt wurde ... :-(


Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA