Schwierige Passagen

In den letzten Tagen habe ich mit einigen nicht gerade einfachen Stellen des Texts gerungen. Neben rein äußerlicher Handlung, vulgo Action, die mir ganz gut von der Hand geht, kommt natürlich das Seelenleben der Figuren nicht zu kurz. Allerdings bergen starke Emotionen immer Risiken; es ist sehr leicht, in Kitsch oder Pathos abzurutschen. Andererseits ist das Leben nun einmal manchmal pathetisch und auch kitschig. Hier ist es wichtig, den richtigen Ton zu treffen. Charaktere in ihrem Leid und ihrer Freude zu zeigen, ohne in Plattitüden abzurutschen oder die Glaubwürdigkeit zu verlieren, ist mir ein besonderes Anliegen. Das bringt es manchmal mit sich, viel Arbeit in ein kurzes Stück Text zu stecken.

Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Nach dem Vorlektorat werde ich es noch einmal überarbeiten, dann kommen mit Lektorat und endgültiger Überarbeitung die letzten Schliffe.

Jedenfalls werden die Figuren doch sehr getriezt. Tatsächlich ist das ein zu schwaches Wort, um den Leidensweg einiger Charaktere zu beschreiben. Als Autor muss man seinen Figuren eben manchmal Dinge antun, an die man eigentlich nicht einmal im Traum denken würde.

Auf der anderen Seite bereitet es mir großes Vergnügen, die Handlung weiter voranzutreiben, und auch der Welt ihren Platz im Text zu überlassen. Auch das ist Arbeit; die Hintergründe sollten so eingebaut werden, dass sie den Lesefluss nicht stören, und sich am Besten aus den Zusammenhängen erklären. Glücklicherweise sind einige Charaktere an den Handlungsorten ebenso fremd wie der Leser.

Trackbacks

    Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

  1. André schreibt:

    Hallo Christoph!

    Danke für den Einblick in die Arbeit.

    Zur erfundenen Welt in der Story:

    "[...] die Hintergründe sollten so eingebaut werden, dass sie den Lesefluss nicht stören, und sich am Besten aus den Zusammenhängen erklären. [...]."

    Wie macht man das? Die wenigsten Fantasy-Autoren verfassen Schreibratgeber. Dabei sorgen die ausufernden Welten gerade in diesem Genre für viel "Futter".
    Vorausgesetzt, ein Autor kennt „seine“ Welt in- und auswendig. Vorausgesetzt, die meisten seiner Figuren tun dies ebenfalls. Wie gelingt da der Schritt zum Leser? Gibt es Methoden? Was wäre ganz klar der falsche Weg?

    Ich baue auf Deine Erfahrungen...Danke!


    Viele Grüße

    André ;-)

  2. Chris schreibt:

    Hallo André,

    eine einfache, pauschale Antwort gibt es nicht. Ein klassischer Kniff in der Fantasy ist ja der ahnungslose (jugendliche?) Held, der die Welt selbst erst entdeckt. Das ist allerdings nicht mein Geschmack, weder beim Lesen, noch beim Schreiben.

    Ich versuche, die Informationen so einzubauen, dass der Leser aus dem Zusammenhang erkennt, was gemeint ist, ohne dabei ellenlange Erklärungen lesen zu müssen. Einfach den gefürchteten Info-Dump vermeiden, der ja auch schnell langweilig wird.

    Manchmal lässt sich natürlich nicht vermeiden, dass man einiges an Information an den Leser bringen muss; in der Fantasy im Zweifel eine ganze Welt. Da gibt es verschiedene, mehr oder minder elegante Lösungen. Klassisch ist der Dialog, wobei das bei zu viel Information schnell gekünstelt wirkt. Reflektionen der Figuren sind auch einfach und können gleichzeitig der Charakterisierung dienen. Und obwohl Schlagworte wie "Show, don' tell" grassieren und zu Gesetzen erhöht werden, halte ich narrative Passagen, wenn sie denn gut gemacht sind, für ein probates und erlaubtes Stilmittel.

    Ich versuche lediglich, eine Anhäufung der Informationen an einer Stelle zu vermeiden, sondern sie über den Text zu verteilen. Dabei ist Informationsmanagement sehr wichtig; zum richtigen Zeitpunkt sollte die Leserin die nötigen Informationen haben, um die Zusammenhänge begreifen zu können (was die Leserin dann mit den Informationen tatsächlich anfängt, ist eine andere Sache). Dafür habe ich meine Testleser, die mir auch in dieser Hinsicht so viel Rückmeldung wie möglich geben sollen.

    Chris

  3. DanieL schreibt:

    Ich fand, dass Dir das in den beiden Troll-Büchern schon sehr gut gelungen ist. Manchmal ist es gerade schön, wenn man nur Andeutungen darüber erhält, dass die Welt größer ist als der kleine Ausschnitt, über den man gerade etwas liest. Das hat für mich Tolkien auch immer besonders lesenswert gemacht, weil man dort immer wieder Hinweise auf alte Legenden, ferne Orte und viele andere Details bekam, ohne dass diese für die Geschichte zentral waren und ohne dass es aufdringlich wurde.

    (Ich würde Godwin's Law gerne modifizieren: In jeder Internetdiskussion über Fantasy taucht irgendwann ein Verweis auf Tolkien auf. Sorry.)

  4. Chris schreibt:

    Danke. Das liegt natürlich auch daran, dass man immer mehr Ideen hat, als in das Buch letztlich passen. Die Welt ist groß, aber die Handlung spielt nur in einem kleinen Teil. Tolkien ist dafür ja eines der Extrembeispiele, weil seine Welt bis ins letzte Detail ausgearbeitet war. Das spürt man im Text sehr deutlich. Es macht die Geschichte und vor allem die Welt auch viel lebendiger und plastischer.

    Chris


Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA