Recherche pt.2
Ich poste jetzt einmal als eine Art "Teaser" die Einleitung, die ich für meinen Part des Workshops geschrieben habe. Nach dem Nordcon schreibe ich noch einen Bericht über den Workshop.
Fantasy & Recherche – ein Widerspruch?
These: Immer wieder hört man, dass man für Fantasy nicht recherchieren muss; dass Fantasy nur von der Phantasie begrenzt wird und man alles machen kann. Interessant ist die Beobachtung, dass diese Meinung vor allem von Personen kommt, die entweder mit Fantasy gar nichts zu tun haben (dann ist diese Meinung häufig abwertend gemeint), oder selbst im Genre schreiben, dabei aber unveröffentlicht sind. Koinzidenz? Ich denke nicht.
Wer sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt, wird schon bald merken, dass der Rechercheaufwand für Fantasy keineswegs geringer ist, als für andere Genres. Vielleicht sogar eher das Gegenteil, denn man verlässt die bekannten Pfade komplett und muss im Normalfall eine ganze Welt ausarbeiten. Eine Welt, die nur dann sinnig und stimmig ist, wenn die einzelnen Teile sich zu einem Ganzen zusammenfügen, das manchmal ebenso widersprüchlich wie unsere Welt sein kann, aber doch, genau wie die unsere, in sich geschlossen ist. Und alle diese Teile muss man kennen, wenn man daraus ein Bild erstellen will, das den Leser überzeugen kann.
Im Prinzip erschafft jede Autorin eine eigene Welt, egal in welchem Genre sie schreibt, oder wie nah oder fern sie der uns bekannten Welt bleibt. Denn eine Geschichte ist immer nur ein Abbild der Wirklichkeit, gefiltert durch die Augen und den Geist der Autorin. Aber wer im Hier und Jetzt schreibt, kann sich wenigstens zum Teil auf seine eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen verlassen; jeder, der eine andere Zeit, oder gar eine andere Welt wählt, muss diese erforschen, recherchieren oder sogar erfinden.
Eine Welt ist ein höchst komplexes Ding, voller Wechselwirkungen und Abhängigkeiten, die, mal verborgen und mal offen, den inneren Zusammenhalt des Weltgefüges bilden.










