Uniform

Ich muss gestehen, dass ich überrascht war, als der Paketbote mir das recht unscheinbare Paket ohne Absender übergab. Ich hatte nichts bestellt, erwartete keine Sendung. Selbstverständlich nahm ich es an und fand darin meine offizielle Fantasyautoren-Uniform. Schwarz, natürlich, so wie die meisten sie tragen.

Im Ernst, mir ist aufgefallen, dass die Herren und Damen Kollegen sehr häufig einen ähnlichen Kleidungsstil pflegen. Sei es nun die schwarze Angus-Young-Kluft von Markus Heitz, Tom Finns Jeans-und-T-Shirt-Kombination, Bernhard Hennens legere Kleidung oder meine eigenen Sachen, sie haben eins gemeinsam: die Farbe Schwarz. Oder zumindest sehr gedeckte Farben. Stecken wir alle phantastischen Farben in unsere Geschichten und haben keine mehr für unsere Kleidung übrig? Versuchen wir, durch Gesetztheit seriöser zu wirken? Ich weiß es nicht, aber es erschafft auf so lauten, hektischen und farbigen Events wie den Buchmessen augenblicklich ein angenehmes Gefühl von Vertrautheit. Man steht zusammen, in einem dunklen Pulk, um den das bunte Volk brandet. Eine Insel der Dunkelheit, sicher und geborgen, schon durch das Äußere verbunden.

Aber vielleicht gibt es gar keinen Zusammenhang. Möglicherweise ist es ein Zufall, eine Verkettung von Umständen, eine seltsame Häufung eines bestimmten Geschmacks. Aber ich glaube das nicht. Vielleicht stimmt die Geschichte mit dem Paket doch?

Wer irgendwo einen Fantasyautor oder eine Fantasyautorin in bunten Kleidern sieht, photographiere dies bitte und sende mir den Beweis. Sachdienliche Hinweise in anderen Medienformen werden ebenfalls entgegengenommen.

Trackbacks

  1. Frankfurter Buchmesse 2007

    Heute öffnet die Buchmesse in Frankfurt ihre Pforten. Natürlich war die offizielle Eröffnung schon gestern Abend, aber die eigentliche Messe beginnt heute. Da ich noch einiges zu tun habe, werde ich heute Abend erst zur Lesung von Oliver Plaschka in

Kommentare

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  1. Pascal schreibt:

    offizielle Fantasyautoren-Uniform?

    Woher kommt den die? Selber zusammengestellt, oder steckt da der Verlag dahinter?

  2. Chris schreibt:

    Nein, noch suche ich mir meine Kleidung selbst aus; natürlich mit tatkräftiger und stilsicherer Unterstützung durch meine Frau.

  3. Stephan schreibt:

    Hmmm, ich muss dir dann mal ein Bild von mir schicken ;-)
    Ich trage zwar auch Schwarz, aber eben nur "auch".
    Außerdem soll mein Gesicht schon düster genug wirken ... nicht zuletzt durch die gewaltigen Augenbrauen. ;-)
    Aber vielleicht ist Schwarz ab 30 auch einfach "Pflicht". Oder es ist ein Generationending. Wer weiß.

    Aber bemerkt habe ich dieses Phänomen auch schon. Soziologisch betrachtet möglicherweise "Identifikation einer Gruppe durch bestimmte Merkmale und Segregation von anderen (Autoren-)Gruppen".
    WoW - Studieren bringt's :-D

    Gruß
    Steph

  4. Chris schreibt:

    Allerdings hatte ich diesen Kleidungsstil schon bevor ich veröffentlicht wurde. Und ich gehe davon aus, dass es bei anderen ebenso war und ist. Also vielleicht doch eher eine unterbewusste Verbindung? Der hunderste Affe gar? Oder nur schnöder Zufall?

    Profan könnte man auch denken, dass viele Autoren des phantastischen Lagers aus ähnlichen Ecken kommen ... ;-)

  5. Pascal schreibt:

    Hmm, ja die Umgebung um Heidelberg hat wohl schon so etwas an sich. Liegt vielleicht am Trinkwasser....?

  6. Stephan schreibt:

    Du meinst die häufig genutzte "Rollenspiel-Schmuddel-Ecke"? :-D
    Ich merke aber auch, dass cih gedecktere Farben bevorzuge, die verbergen mein kleines Autorenbäuchlein.
    No sport and just typing make Stephan go something, something. (frei nach Homer Simpson, der frei nach Shining zitierte)

  7. Falko schreibt:

    Beweis UND Gegenbeweis aus einem aktuellen Blog-Eintrag von Neil Gaiman:
    http://www.neilgaiman.com/journal/uploaded_images/Neiland-Alan-705905.jpg

    Links Gaiman selbst - natürlich schwarz. ;-) Alan Moore dagegen ... nun ... bunt. Das ist sein Hochzeitsoutfit. OK - streng genommen ist er auch kein Fantasy-Autor.

    Prinzipiell hast du jedenfalls Recht. Bei Fantasy- und Horror-Conventions ist schwarz die vorherrschende Farbe. Bunter scheint mir die SF-Szene zu sein, zum Glück nicht nur wegen komischer Star Wars-Kostüme - ich erinnere mich da an Brian Aldiss vor einigen Jahren: Grauer Anzug, rosa Hemd und weiße Turnschuhe ... :-)

    Ich?

    Schwarz wie mein Kaffee.

  8. Chris schreibt:

    Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regel. Und Comickünstler, selbst wenn sie keine Hefte, sondern Graphic Novels machen, sind eine eigene Spezies ... ;-)

  9. melima schreibt:

    Hallöchen!

    Witziges Thema!

    Ich frage mich gerade, ob diese äußere Ähnlichkeit nur auf die Autoren zutrifft oder ob da gewisse Tendenzen auch bei entsprechenden Lesern feststellbar sind. g

    Ich bin gespannt auf weitere Beweise und Gegenbeweise (cooles Foto, Falko!).

    Liebe Grüße,
    melima

  10. Sandallom Feuerstein schreibt:

    Ich kann behaupten das ich früher auch sehr gerne Schwarz getragen habe. Mittlerweile hat sich das etwas geändert, liegt aber bestimmt nicht am lesen der Bücher von den Autoren die Schwarz tragen :-)
    Ab und zu besteht meine Kleidung schon noch aus Schwarz.

  11. DanieL schreibt:

    Glückwunsch, das hier ist jetzt der aktivste Thread des Journals. Christoph, vielleicht solltest Du lieber ein Modelabel auf machen als Bücher schreiben. Oder was mit Kosmetika ("Haar de Busch").

  12. Chris schreibt:

    Ja, ich weiß auch nicht, wie ich es finden soll, dass meine tiefsinnigen Betrachtungen über das Leben und das Schreiben nicht die gleiche Beachtung finden. Vielleicht sollte ich es einmal mit lustiger Fantasy probieren?

    Mein Modegeschmack ist übrigens nicht mit der kommenden Erderwärmung kompatibel, weswegen ich von einem Modelabel absehe. Schwarz hat auch seine Nachteile.

  13. Tom Finn schreibt:

    Hi Christoph, lieber Kollege & Gruftie,

    was die Autoren-Kleidungsordnung betrifft, es bestehen deeeuuutliche Unterschiede zwischen schwarz und anthrazitfarben g
    Mit ersterer Bedeckung treten alle Autoren südlich der Weißwurstgrenze auf (also irgendwo ab Hannover...), und auch nur solche, die damit signalisieren, dass sie etwas zu verbergen haben.
    Edel anthrazit sind Autoren der nördlichen Hemisphäre bekleidet (also Typen wie ich), die durch die lichte und luftige Wahl ihrer Bekleidung signalisieren, daß ihr Südlichter zwar Berge habt, wir Nordlichter aber Horizont, he he...

    Hanseatisch-marineblaue Grüße :-)

    Tom Finn

  14. Chris schreibt:

    Ich lebe zwar jetzt im Süden (wo die Menschen unerklärlich freundlich sind, was mich immer noch befremdet), aber als Sauerländer muss ich mich heftig gegen die Verlagerung des Südens bis nach Hannover verwehren. Gegen uns Sauerländer seid ihr Nord(-irr-)lichter doch lebensbejahende, extrovertierte, redselige Menschen ... ;-)

    Was man ja auch schon an deinen geradezu knallbunten, anthrazitfarbenen Outfits erkennen kann.

  15. DanieL schreibt:

    Für ausgewählte, mir bekannte Sauerländer gilt das auf jeden Fall...

  16. Lily schreibt:

    Unter
    http://www.thewritefantastic.com/
    findet man einige britische Fantasy-Autoren, unter ihnen Stan Nicholls, der hier kein Schwarz trägt. Aber vielleicht dient das nur zur Tarnung, denn hier
    http://www.herebedragons.co.uk/nicholls/biography.htm
    trägt er die passende Uniform, komplett mit Hut..:-)

    Viele Grüße von
    Lily

  17. Chris schreibt:

    Das stimmt. Als wir Stan in London getroffen haben, war er auch eher bunt gekleidet. Sehr bunt ... ;-)

    Andererseits kann ich jetzt wieder das Totschlagargument auspacken: Ausnahmen bestätigen ... und so weiter. Und der Rest von The Write Fantastic scheint ja meine Theorien zu bestätigen.

  18. Pascal schreibt:

    Hihi
    Dann suchen wir einfach noch ein paar Bilder mehr, bis sich die Regel nicht mehr bestätigen lässt.
    Hab da auch noch eins von Heide S. Göttner, wo sie kein schwarz trägt.
    Allerdings war bisher nur von männlichen Autoren die Rede.
    Da stellt sich natürlich die Frage, wie die Kleidersache bei den Autorenfrauen aussieht, wobei man sich da vielleicht nicht zu sehr hineinsteigern sollte, weil man sich da sonst noch verlieren kann.

  19. Susanne Gerdom schreibt:

    Um mal die "weibliche" Autorenseite einzubringen: Ja. Ich war auch komplett in schwarz auf der Messe. Und ja: ich trage meistens schwarz. Mit gelegentlichen Ausflügen in ein fröhliches Grau oder Oliv.
    ABER: ich trage ein superschön-quietschfarbenes Stirnband in Pink dazu und einen zitronengelben Rucksack ...

  20. Chris schreibt:

    Das ist dann die persönliche Note, sonst könnte man uns alle ja gar nicht mehr auseinander halten ... ;-)

    Wobei manche Kollegen jetzt anfangen, sich zirkusbunt zu kleiden (Bluejeans und weißer Pullover). Was einige nicht alles für ein wenig Aufmerksamkeit tun ... ;-)

    Chris


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