Schambereich

Manchmal ist es gar nicht so einfach, den eigenen Schambereich zu verlassen. Wie das gemeint ist? Nun ja, als Autor muss man manchmal in Gegenden vorstoßen, die im normalen sozialen Umgang eher tabuisiert werden. Man kann sich da natürlich drum herum mogeln, nur würde ich das als feige ansehen. Außerdem ist es langweilig, wenn der Autor eines Textes um interessante Stellen einen Bogen macht, nur weil es nicht einfach ist, diese zu schreiben.

Sex, Zahnarztbesuche, Emotionen. Das erfordert einerseits ein wenig Empathie, andererseits aber auch ein sorgfältiges Arbeiten mit Worten. Ich möchte die Szene ja angemessen darstellen, ohne ins Lächerliche oder ins Klischee abzurutschen. Beides ist leider nur allzu leicht, wenn man nicht aufpasst.

An so einer Szene arbeite ich gerade. Sex, Zahnarztbesuch, vielleicht gar beides? Das wird noch nicht verraten. Aber ich kann sagen, dass es manchmal ein wenig Überwindung kostet, sich den gesellschaftlichen Konventionen zu entziehen. Aber es lohnt sich. Die Szenen sind nachher plastischer, echter, einfach besser. Als Autor hat man vielleicht sogar die Pflicht, sich hin und wieder über Tabus hinweg zu setzen. Nur so entstehen wirklich gute Bücher.

Und zudem ist die Aufmerksamkeitsspanne der Testleser gleich viel höher, wenn das Thema kontrovers und spannend ist. Da kommt so einiges an Rückfragen, die ich dann nicht beantworte. Aber ich bin ja auch Schreiberling und nicht Doktor Sommer.

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Kommentare

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  1. DanieL schreibt:

    Besser ist das. Mein persönliches Negativerlebnis in dieser Beziehung war Fontanes "Effi Briest", das wir in der Schule gelesen haben.
    Als wir etwa auf Seite 130 kam, wurden wir darüber aufgeklärt, dass die verheiratete Effi etwa auf Seite 90 eine kurze Affäre mit einem anderen Mann gehabt habe. Allerdings wurde dieser Akt mit keinem Wort erwähnt, denn "damals sprach man über so etwas nicht". Deshalb: mach weiter so.

  2. Chris schreibt:

    In "Die Trolle" gibt es eine Sexszene in der ich bei der ersten Version ausgeblendet habe. Es störte immer ein wenig, aber es war gerade die Hochphase und ich habe anderen Stellen des Buches mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Ganz zum Schluss habe ich die Szene dann noch einmal ausführlicher geschrieben, aber leider kam sie ein wenig zu spät an und hat es nicht mehr in die Druckversion geschafft. Die Szene hätte den Charakteren mehr Tiefe verliehen. Sehr schade, dass ich da nicht schon bei der ersten Version mehr geschrieben habe.


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